Jedes Produkt gibt ein Versprechen. Nutzer glauben es erst, wenn sie es erleben. Onboarding im UX Design begleitet neue Nutzer von der Registrierung bis zum Aha-Moment. Das ist der Augenblick, in dem sie den Kernwert eines Produkts erkennen. Dieser Beitrag zeigt mit, wie Sie diesen Weg gestalten. Dabei hilft ein durchdachtes UX/UI-Design.
Was ist Onboarding im UX Design?
Wer in eine neue Wohnung kommt, sucht zuerst den Lichtschalter oder die Toilette. Niemand liest dafür vorher ein Handbuch. Digitale Produkte funktionieren genauso. Onboarding im UX Design ist der geplante Weg, auf dem neue Nutzer ihre ersten Schritte gehen.
Dieses User Onboarding umfasst Anmeldung, erste Schritte, Hinweise und Rückmeldungen. Es endet, wenn Nutzer den Kernwert erleben.
Was gehört zum User Onboarding?
Stellen Sie sich ein Rechnungsprogramm für Selbstständige vor. Daran lassen sich die vier Bausteine gut zeigen.
- Die Registrierung bringt Nutzer mit E-Mail und Passwort ins Programm.
- Die ersten Schritte führen sie zu den Firmendaten und zum ersten Kunden.
- Hinweise erklären an der richtigen Stelle, was ein Feld bedeutet.
- Rückmeldungen bestätigen, dass die Rechnung gespeichert und versendet ist.
Wie unterscheiden sich Onboarding und Produkteinführung?
Eine Produkteinführung stellt ein Produkt vor, etwa beim Launch am Markt. Beim Rechnungsprogramm sind das die Ankündigung und die Werbung. Onboarding beginnt danach und gilt jedem einzelnen Nutzer. Es führt ihn zu seiner ersten versendeten Rechnung. Die Einführung weckt die Erwartung, die das Onboarding einlöst.
Was ist der Aha-Moment und warum zählt er?
Niemand glaubt einer Speisekarte, bevor er den ersten Bissen probiert hat. Beim Aha-Moment ist es genauso. Er ist der Augenblick, in dem Nutzer den Kernwert Ihres Produkts erkennen. Ihr Onboarding führt sie auf dem kürzesten Weg dorthin.
Wie erkennen Sie den Aha-Moment Ihres Produkts?
Fragen Sie sich, welche Handlung den Nutzen spürbar macht. Beim Rechnungsprogramm ist das die erste versendete Rechnung. Das Anpassen der Kontoeinstellungen gehört nicht dazu.
Interviews zeigen, was Nutzer als ersten Erfolg erleben. Analytics zeigen, welche Schritte sie tatsächlich gehen. Beide Wege ergänzen sich, wie User-Research-Methoden zeigen.
Warum springen Nutzer vor dem Aha-Moment ab?
Laut Bitkom ist der Anwender weg oder deinstalliert das Programm, wenn er minutenlang suchen muss oder eine verwirrende Menüstruktur erlebt. Ein Selbstständiger will heute noch eine Rechnung schreiben. Verlangt das Programm zuerst viele Firmenangaben, sucht er sich ein anderes. Jeder unnötige Schritt vor dem Aha-Moment erhöht also das Risiko eines Abbruchs.
Wie gestalten Sie die Registrierung ohne Hürden?
Nur das Nötigste gehört in die Registrierung. Beim Rechnungsprogramm reichen E-Mail und Passwort für den ersten Schritt. Firmenname, Steuernummer und Logo fragen Sie erst ab, wenn Nutzer die erste Rechnung schreiben.
Wie viele Felder braucht die Registrierung?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Hick’s Law erklärt den Hintergrund. Je mehr Optionen Nutzer haben, desto länger brauchen sie für eine Entscheidung. Formulare mit zu vielen Feldern führen deshalb zu Abbrüchen, wie die UX Design Regeln zeigen.
Prüfen Sie Ihr Formular mit diesen Fragen.
- Brauchen wir dieses Feld für den ersten Erfolg?
- Können wir die Angabe später abfragen?
- Ist klar, wofür wir die Angabe verwenden?
Wie gelingt der Login ohne kognitive Hürden?
Eine Nutzerin will ihr langes Passwort aus dem Passwort-Manager einfügen. Blockiert Ihr Formular das Einfügen, scheitert sie schon am Login. Nach WCAG 2.2 darf kein Schritt der Anmeldung einen kognitiven Funktionstest verlangen, sofern keine Alternative oder Hilfe besteht. Auch das Merken eines Passworts zählt laut W3C dazu. Ein Passwort bleibt erlaubt, wenn Nutzer Hilfen wie einen Passwort-Manager einsetzen dürfen.
Alternativen sind Magic Links per E-Mail oder biometrische Verfahren, wie die Umsetzung von WCAG 2.2 zeigt. Vermeiden Sie außerdem doppelte Eingaben. WCAG 3.3.7 verlangt, bereits eingegebene Angaben vorauszufüllen oder zur Auswahl anzubieten.
Wie führen Sie Nutzer zum ersten Erfolg?
Nach der Registrierung braucht der Nutzer eine klare nächste Aktion. Beim Rechnungsprogramm lautet sie „Erste Rechnung erstellen“. Alles andere kann warten.
Wie nutzen Sie Checklisten und Fortschrittsanzeigen?
Eine Checkliste teilt den Weg in kleine Aufgaben. So könnte sie im Rechnungsprogramm aussehen.
- Ergänzen Sie Ihre Firmendaten.
- Legen Sie Ihren ersten Kunden an.
- Erstellen und versenden Sie Ihre erste Rechnung.
Eine Fortschrittsanzeige zeigt dazu, wie weit der Nutzer schon ist. Kleine Erfolgserlebnisse wie wachsende Fortschrittsbalken können die Nutzerbindung stärken. Rückmeldung zu jedem Schritt geben Microinteractions.
Wann helfen Hinweise direkt an der Oberfläche?
Die Apple Human Interface Guidelines empfehlen, Anleitungen nahe an dem Bereich der Oberfläche anzuzeigen, auf den sie sich beziehen. Im Rechnungsprogramm erklären Sie das Feld „Zahlungsziel“ deshalb direkt am Feld. Ein Rundgang durch alle Menüs vorab verlangt dagegen viel Merkarbeit. Erklären Sie eine Funktion erst, wenn der Nutzer sie braucht.
Wie feiern Sie Meilensteine passend?
Duolingo treibt verspieltes Feedback bewusst auf die Spitze. Das passt zur Marke, aber nicht zu jedem Produkt. Ein Rechnungsprogramm feiert die erste versendete Rechnung dezent, zum Beispiel mit einem Häkchen und einem kurzen Satz. Feiern Sie nur echte Meilensteine. Konfetti bei jeder einzelnen Aktion lenkt eher ab.
Welche UX-Onboarding-Patterns helfen dabei?
UX-Onboarding-Patterns sind bewährte Bausteine für den Start. Sie unterscheiden sich in Aufwand und Einsatzfall. Wählen Sie das Pattern zum Kernwert Ihres Produkts. Die Tabelle zeigt sie am Beispiel des Rechnungsprogramms.
| Pattern | Beispiel im Rechnungsprogramm | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Willkommensbildschirm | Ein Satz, der die erste Rechnung verspricht | Er sollte kurz bleiben |
| Checkliste | Drei Aufgaben bis zur ersten Rechnung | Zu viele Aufgaben überfordern |
| Kontextuelle Hinweise | Erklärung direkt am Feld „Zahlungsziel“ | Zu viele Hinweise stören |
| Geführte Tour | Rundgang durch die wichtigsten Menüs | Nutzer sollen sich wenig merken müssen |
| Leerer Zustand | Leere Kundenliste mit Button „Ersten Kunden anlegen“ | Er braucht einen klaren nächsten Schritt |
Welche Patterns passen zu SaaS-Produkten?
Hat ein SaaS-Produkt viele Funktionen, hilft ein schrittweiser Einstieg. Im Rechnungsprogramm sind kontextuelle Hinweise und eine Checkliste besser als ein langer Rundgang. Nutzer lernen eine Funktion dann, wenn sie sie brauchen. Mehr zur technischen Seite erfahren Sie bei der SaaS-Entwicklung.
Was zählt beim Onboarding in Mobile Apps?
Stellen Sie sich eine Fitness-App vor. Der beste Einstieg zeigt dort die erste Übung statt einer Folienreihe. Apple empfiehlt ein kurzes, angenehmes Onboarding, das nicht viel Merken verlangt. Ist ein Onboarding schnell und unterhaltsam, schließen Nutzer es laut Apple eher ab. Wer eine App entwickeln lässt, plant das Onboarding deshalb von Beginn an mit.
Wie messen Sie, ob das Onboarding wirkt?
Beim Rechnungsprogramm markiert die erste versendete Rechnung den Aha-Moment. Sie sollten diese Handlung festlegen, bevor Sie messen. Dann sehen Sie, wie viele Nutzer sie erreichen und wie lange das dauert.
Welche Kennzahlen zeigen den Erfolg?
Drei Kennzahlen reichen für den Start. Die erste zeigt, wie viele Nutzer ihre erste Rechnung versenden. Die zweite zeigt, wie lange sie dafür brauchen. Die dritte zeigt, bei welchem Schritt Nutzer abbrechen. Standardisierte Fragebögen wie der System Usability Scale liefern zusätzlich vergleichbare Werte.
Wie testen Sie Varianten sauber?
Sie vermuten, dass eine Checkliste die Abbrüche senkt? Dann testen Sie zwei Varianten gegeneinander. Ein A/B-Test vergleicht beide unter gleichen Bedingungen. Dafür brauchen Sie ausreichend Traffic, damit die Ergebnisse belastbar sind. Bei wenigen Nutzern helfen qualitative Tests besser, denn beim lauten Denken erkennen Sie Verwirrung und Zögern direkt.
Fazit
Ein Produkt ist ein Versprechen, und Nutzer glauben es erst, wenn sie es erleben. Gutes Onboarding im UX Design schafft diesen Moment früh. Definieren Sie dafür den Kernwert, halten Sie die Registrierung schlank und führen Sie Nutzer mit einer klaren nächsten Aktion zum ersten Erfolg. Messen Sie den Weg, bevor Sie weitere Muster ergänzen.
Sie möchten Ihr Onboarding prüfen oder neu gestalten? Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch mit uns.
Quellen & weiterführende Literatur
- Apple Inc. (o. J.): Human Interface Guidelines, Onboarding. Online verfügbar unter: https://developer.apple.com/design/human-interface-guidelines/onboarding
- W3C (o. J.): Understanding SC 3.3.8, Accessible Authentication (Minimum). Online verfügbar unter: https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/accessible-authentication.html
- W3C (o. J.): Understanding SC 3.3.7, Redundant Entry. Online verfügbar unter: https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/redundant-entry.html
- Bitkom e. V. (2017): Damit der Anwender nicht zehnmal klicken muss, Presseinformation. Online verfügbar unter: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Damit-der-Anwender-nicht-zehnmal-klicken-muss.html